WIDERSTÄNDIGKEIT ALS PFLICHT

(Auch eine Geburtshymne auf Georg Büchner am 17. Oktober 2013 wird er 200 Jahre jung)

 

Der Pflichtbegriff wird nicht all zu gern vernommen. Doch halte ich ihn für wichtig, eine komplexe Gesellschaft kommt ohne ihn nicht aus und eine Gesellschaft die sich ins „absolut“ menschliche Entwickeln will, muß die Pflicht ins Autonome und Selbstbestimmte setzen. Pflicht aus Einsicht und im Selber Denken – Selber Handeln – Selber Sein verankert haben.

Widerständigkeit tut Not, ist Pflicht in einem Staat der sich rückentwickelt in die Obrigkeit, der seine Menschen Vernachlässigt da er das Soziale nicht entwickelt und mehr und mehr in alle Lebensbereiche das Gewicht des Geldes anlegt. Viel Geld bedeutet viel Privileg. Der Arme wird Chancenlos, mit jedem Tag mehr. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ was immer weniger stimmt: präventiver Todesschuss, der Abschuss von Passagierflugzeugen immer wieder im politischen Kalkül, die Bundeswehr im Inneren zum Eisatz bringen wird immer wieder auf´s neue ins Gespräch gebracht, Geldklassenmedizin und Geldklassenpflege ist in Vorbereitung, ein gnadenloses Renteneintrittsalter. Die Abgründe der Sterbehilfe, sieht da jemand was? Die Sicherungsverwahrung, da entsteht ein Moloch ungeahnter Grausamkeit. Deutschland hat wieder eine Armee die Kriegseinsätze tätigt. Die Würde des Menschen wird angetastet im täglichen durch politische Entscheidungen und ihre ausführenden staatlichen Organe und einer Bevölkerung die aus einer angenommenen Mehrheit her raus zu sieht.

Geheimbündelleien auf politischen/gesellschaftlichen Feldern gehört zum Alltag.

Eine Privatisierung zum Ausschlachten von Generationenvermögen in aller Selbstverständlichkeit.

Selber Denken – Selber Handeln – Selber Sein

in seiner eigensten Pflichtauffassung von Widerständigkeit gegenüber Ungerechtigkeit, Unmenschlichkeit, Unannehmbarem aus Politik, Obrigkeit und Establishment.

Und vergesse dich selber nie. Ohne Eigenarbeit an und in Sich zum „Guten“, bleibt der Geruch des geschäftlichen, des Missbrauch, der Lüge an den Personen der Verkündung.

Georg Büchner war ein konsequenter Verneiner der Monarchie, einem Machtanspruch der sich zum Schmarotzertum der Vernichtung an seinen „Untertanen“ entwickelte.

Unsere Aufgabe im Heute, ist es die „Geldaristokratie“, wenn diese sich nicht erziehen läßt, diese abzuschaffen. Ihr Spezialisten des Absurden: Da wo Geld nur noch im Geld sich erzeugt und die Kompatibilität zum menschlichen und seinen Existenzgrundlagen sich erpresserisch und vernichtend verhält, muß eine neue Verankerung her. Moderne und auf Zukunft gerichtete Gesellschaften werden das Geld im Recht verankern, was heißt: Jeder Mensch ist fortan auch vor dem Geld gleich und er besitzt es gleich wie alle anderen. Die Triebkräfte der Produktion für die Lebensgüter und der „Egoismus“ der Individuen an der Teilhabe von Besitz und Eigentum wird dann ein werbendes Element. Die Möglichkeit der Erpressung des Einzelnen bis hin zu ganzen Staaten, wird mit der perfektion eines neuen auf Recht basierendem Geldtauschsystem, erschwert bis aufgehoben. Ein Übergang könnte eine Art „pädagogischer Merkantilismus“ der Teilung sein, d.h. Währung innerhalb eines Systems und Währung zu anderen Systemen, also global kompatibel.

ODER: KRIEG DER GIER UND FRIEDE DEM SOLIDARISCHEM SCHAFFEN

 

Rainer Wieczorek 2011

 

Die Elsa-Hommage

 

Elsa aus Swinemünde klebte sich eine Briefmarke auf die Backe und die Mail Art war geboren im New York DADA, schon vor dada? Wann genau, so ganz genau ist hier nicht festzustellen. Fragt Irene Gammel (1959). Im Winter 1912/13 kam sie nach New York und wurde die Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven. Sie performance´te sich zur Dada-Queen dieser Stadt. Von einem Platz zum anderen mit einer Briefmarke auf der Wange, vor der Mail Art, als eigener Postverkehr. Eine vorauseilende Anführerin einer Kunstrevolution, in einem erotisch aufgeladenen Körper, geschmückt mit kinetischen Objekten, organischen Material und Findlingen der Strasse. So war sie eine lebendige Alternative zu den Maschinisten unter ihren männlichen Kollegen. Elsa Rrose Sélavy. als Metapher zum Weltruhm, in die Tempel der Männerkunst gelangt; eine Deutung. Am 18. April 1923 verließ sie New York in Richtung Berlin-Charlottenburg um nach Paris zu gelangen. Für immer. Sie starb hier am 14. Dezember 1927, 22 rue Barrault, 13. Arrondissement.

 

„The Next Call“ von Hendrik Nicolaas Werkman (1882) wurde von der Post überbracht und es konnte gelesen werden:

„EEN RIL DOORKLIEFT HET LIJF DAT VREEST DE VRIJHEID VAN DE GEEST“

„Ein Schauer durchfährt den Körper, der die Freiheit seines Geistes fürchtet“. Das geschah im Jahre 1923. Der Netzwerkgedanke war hier spätestens geboren. Hendrik wurde 1945 von den Nazis ermordet.

 

Wer und was war noch relevant in der Begründungsgeschichte der Mail Art? Die vielen rhizomischen Würzelchen im historischen Dadaismus sind noch auf die Mail Art hin darzustellen. Es gilt Lücken zu füllen, eigene Deutungshoheit für die Kunst der Künstler um der Kunst willen zu erforschen. Neu und Selbstständig zu Denken in alle Bereiche unserer Kunst. Wir sind die Kunst, Männer wie Frauen! Galeristen, Museumsleute, Kuratoren, Verwalter wie Beamte ihr seid die Angestellten, die uns immer wieder um den gerechten Lohn betrügen bis in das Urheberrecht beutet ihr aus, lasst uns den eigenen geistigen Rohstoff zur Kunst bezahlen. Ist er ein Verräter an der Kunst, ein Kunstverhinderer der Erfolgreiche Künstler, der sich Verkauft an Konzerne und Verwertungsgesellschaften?

 

Die Eheleute Hampel (Otto 1897, Elise Lemme 1903) werden mit einem Mail Art-Salut aufgenommen, Posthum 2013. Von 1940 bis 1942 verteilten die Hampels mehr als 200 Postkarten und Flugzettel mit Aufrufen zum Widerstand gegen das NS-Regime. Ihr Porto war ihr Leben. Sie wurden am 8. April 1943 in Berlin Plötzensee hingerichtet, durch ein Fallbeil. Für die Schnelligkeit, zwei Leben in 30 Sekunden vernichtet zu haben, gab es für die Helfer des Henkers Zigaretten extra. So billig sind Mörder.

 

Dann kam Ray Edward Johnson zur Welt (1927-1995) und in den frühen 1960 er Jahren begründete er die New York Correspondance School, ein Kommunikationsnetzwerk das später Mail Art genannt wurde.

 

Nach zwei Weltkriegen, kann auch von einem „Weltfrieden“ gesprochen werden, als Vorraussetzung für ein Internationales Kommunikationsnetzwerk als Kunst, genannt Mail Art.

 

Die Mail Art ging auf Wanderschaft, eroberte die Welt und unzählige Aktivisten und Künstler schufen das Internationale Mail Art-Netzwerk. One Earth Mail Art. Das Netzwerk kommuniziert bis ins Heute. Kennt seinen eigenen Postvertrieb, benutzt die offizielle Post, erobert das Internet. Ganz dem Dadageist folgend ist jeder Mensch Mail Art Berechtigt. Juryfrei kommuniziert er, verkauft sich nicht und widersetzt sich der Konsumierung, weil wir uns behüten und unser Arbeitsspiel nicht zum Abfall erklären. Wir setzen uns in Kenntnis und sind kennender Teil von vielen Teilen. Eine jeweils gegenwärtige Gesamtkenntnis des Internationalen Mail Art-Netzwerkes wird nur jeder Einzelne annähernd kennen können? Das sind unsere Goldenen Regeln, ein Ehrenkodex: Kein Profit, keine Rückgabe, keine Jury, eine Dokumentation und das Archiv.

Auch die Mail Art kennt ihre Kleingeister, Bequemlinge, Betrüger und Reglementierer. Jeder Mail Art-Call der einschränkende Regeln aufstellt sollte sich auch darüber im klaren sein, das auf Einzelfälle bezogen eine Tragik der Verhinderung erfolgen könnte und wird. Der an sich reichen Fantasie wachsen Flügel immer zu, rhizomisch fliegend in die Unabhängigkeit jenseits der kleinen Geister. Unsinnige Vorschriften sollten immer als Aufforderung zum brechen angesehen werden.

 

Warum dieses pochen auf Geschichte? Weil ein Geschichtsbewußtsein nötig ist, es dient der Aufklärung, ihrer Belebung im Heute, dem DADAgeist folgend, wo jeder der bessere Künstler sein konnte, als diejenigen die das Künstler sein Standesgemäß vereinnahmten zur Bewahrung ihrer eigensten Privilegien. Die Künstlerfrage als Herausforderung an ein neues besseres Menschsein. Ein neues Bewußtsein erobern, erspielen, erarbeiten. Im Müßiggang erträumen, erdenken. Den DADAmenschen! Neuer Nouspeopel! New Humankind! Alles Wörter die sich im tatsächlichem Leben zu ihrem dann wahren Leben sich Definieren oder es blieb ein Glaube von Gläubigen. Daran Arbeiten Generationen.

Nur was ist aus uns geworden? Was ist aus ihm geworden? Dem Künstler! „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, Bewahret sie!...“

Alles verkehrt sich. Von den Befreiungsversuchen zur Anwärterschaft als Luxusgüterproduzenten, als Teil der Wirtschaftswelt. Dekorationsware für Spezialisten die eine Weltherrschaft durch Geldmacht anstreben. Das Kunstetikett zur Profitmaximierung als Investment mit den Dummköpfen unter den Künstlern, hinein manipulieren in die Gesellschaften. Die Kunst, als ein Berufsinternes Spielzeug zur Erzeugung von Künstlerkarrieren mit bequemer Freiheitsbenutzung? Geld regiert seine Welt!

„... Sie sinkt mit euch! Mit euch wird die gesunkene sich heben!“ dichtete Schiller (1759-1805). Wird es ein drehen nach den Verhältnissen, wird es Unglaubwürdig. Das System Kunst sinkt in die Banalitäten der Willkürlichkeit.

Eine Widerständigkeit aber wächst. Stellt sich die Überlebensfrage, wird der Platz zum Handeln genommen, der freie Atem erstickt, ist ein Widerstand unumgänglich. Da sind noch Künstler die Menschen sind und am Auftrag Kunst für eine menschlich Menschheit Arbeiten und Spielen und Träumen, dieses und sich selbst verteidigen. Notwehr ist immer Erlaubt!

i.a. „Bewegung nous“ Sekretär Rainer Wieczorek im Februar 2014