Streikposten

Der Streikposten am Laternenpfahl

 

Der Streikposten meldet

10.585 Tage im Dauerstreik

mit 95% seines Oeuvre.

14.599 Tage, 20.799 Tage, über den den Tod hinaus.

Kennen Sie ihn, den

Künstler/Soziologe/DADAsoph

Rainer Wieczorek.de

2015 verlassen einige Streikposten ihre Zentrale

und übernehmen eine andere Aufgabe.

Wir finanzieren

„Die KUNSTdemokratie“:

eine Stiftung wird gegründet.

Wir bauen eine Bühne

für die Abseitigen Europas.

Eine Opposition entsteht,

die sich Geltung verschafft.

Lieben Sie eine sich

entwickelnde Demokratie?

Wollen Sie Hingabe?

Dann werden Sie

Unterstützer.

Wenn Kunst nicht mehr ist

als Business,

ist diese Dekoware.

Geld macht keine Kunst.

Geld erzeugt einen Kunstmarkt.

Der Kunstmarkt hat zufällig Kunst

oder

der Kunstmarkt hat zufällig keine Kunst.

Dekoware hat er immer.

WR 030/61 3456 2 WR

 

DER STREIKPOSTEN


Da verpackt ein Künstler seit 30 Jahren den Großteil seiner Produktion (Malerei / Zeichnungen / Plastiken) in Kisten, Koffern und Kartons. Ist eine Kiste geschlossen, so wird ihr Inhalt, die Kunst, nicht mehr gezeigt. Diese Kiste hat eine Streikzeit hinter sich zu bringen. Der erste Streik dauerte von 1985 bis 2000. Bei einer Diskussionsveranstaltung am 27.7.2002 wurde eine Holzkiste ausgepackt, wieder eingepackt und für das gesamte Ensemble an Behältern der Streik vorerst bis ins Jahr 2010 neu festgelegt.. Einige Koffer streiken sogar bis Januar 2025. Niemand bekommt bis dahin die verpackte Kunst zu sehen.

Dieser Künstlerstreik ist zu seinem 30. Jahr, also 2016 vorerst in Teilen aufgehoben, denn die einzelnen Streikposten werden zum Teil als Kapital für die gemeinnützige Stiftung KUNSTdemokratie in spe benötigt. Große Bestandteile ( mindestens 10.000 Exponate) des Streikposten werden der Sammlung dieser Stiftung übergeben. Eine Jury unter Vorsitz des Stiftungsgründers Rainer Wieczorek wird diese Auswahl vornehmen.

 

Der Streikposten verfolgt einen Auftrag: Es geht darum das die Künstler, die Möglichkeit erkennen, Streik als Kampfmittel zur Durchsetzung ihrer Interessen einzusetzen, denkbar wird.

Der Künstlerstreik ist ein Streik von den Frauen und Männern die Kunst produzieren und ihre Kunstproduktion der Öffentlichkeit nicht zeigen. Die Künstlerinnen und Künstler haben ein Interesse das sie durchsetzen wollen in ihrer Gesellschaft und gestalten situationsbedingt das Kampfmittel: Streik!

Es geht darum das sich unterschiedlichste Künstler organisieren können, eine Zweckgemeinschaft bilden können, als Solidargemeinschaft gegenüber ihrer Gesellschaft funktionieren können.

Der Streikposten will den Künstlerstreik in die Diskussion bringen, möchte das die Frauen und Männer der Kunst über ihre gesellschaftliche Funktion nachdenken. Sie sollen die Gegenwart reflektieren und Überlegungen zur Zukunftsfähigkeit dieses Systems erbringen.

 

Der Streikposten will die Idee des Künstlerstreiks in die Welt bringen. Will dabei keine fertige Definition anbieten. Will, das ein evolutionärer Prozess des Ganzen, seine Streikfähigkeit erarbeitet. Ein Streik funktioniert nur als Masse. Der Einzelne setzt sich der Lächerlichkeit aus.

 

Ein Künstlerstreik kämpft um die eigenen Systemrelevanten Interessen. Künstlerstreik wie er hier gemeint ist, kämpft nicht für irgendwelche Probleme in dieser Welt, sondern bezieht sich auf die Arbeitswelt der Künstler und die Gestaltung derselben innerhalb einer Gesellschaft.

 

Wenn die Frauen und Männer der Kunst, den Streik als legitimes Kampfmittel für ihre Interessen erkannt und akzeptiert haben, gilt es Sinnfragen zu stellen. Für welches Thema, für welche Aufgaben, für welche einzelne Projekte lohnt es sich zu kämpfen und womöglich einen Streik der Künstler, für eine bessere Durchsetzung zu organisieren.

Der Streikposten ist vorerst ein symbolischer Akt der Verweigerung und seine konkreten Interessen sind theoretische Diskussionsbeiträge die im folgenden aufgelistet werden:

 

 

 

Die Marxstrophe für Anfänger

 

Stellen sie sich vor, verehrtes Publikum, eines morgens, da fährt einer zur Arbeit im Cabriolet.

Die Sonne scheint, die Frau ist schön, die Kinder gut genährt und werden vorzüglich behandelt in der Schule. Ein Gymnasium selbstverständlich.

Er freut sich auf seinen neuen Arbeitsplatz. Der erste Tag als Generaldirektor über alle Berliner Museen der Bildenden Künste und die unverschämte Gehaltsforderung wird auch gezahlt. Herrliches Berlin.

Er sieht sie schon die Nationalgalerie, in zwei Stunden ist der Empfang.

Champus mit edel belegten Schnittchen und all diese schönen Kleider, üppigst geformt, mit ihren blauen strammen Anzügen. Ahhhhch ist das schön. Na ja, die sitzen selten gut.

Und dann, schon vor dem Parkplatz, Leute, Pöbel, Dutzende, Hunderte.

Transparente.

Das Museum eingekesselt.

Megafone brüllen:

 

Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik – Streik - Streik – Streik -

 

Wir Künstler streiken heute in der ganzen Stadt. Die Theater sind besetzt. Die Fernseher und Radiostationen verlesen unsere Forderungen.

Wir diskutieren mit bereitwilligen Politikern.

In allen Galerien wurden die Bilder von den Wänden gehangen, kein Mensch singt, kein Mensch tanzt, vor allen Buchläden sind Streikposten aufgestellt, alle Musik schweigt, nur Transparente werden noch gemalt, auf denen steht:

 

Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik – Streik - Streik – Streik -

 

Filmriss. Einfliegende Stars und Sternchen bekommen frei und bekommen eine Stadtrundfahrt spendiert vom Streikkomitee zu allen aufregenden Orten des Streiks. Alle Videotheken haben geschlossen. Ein Mathematiker rechnete aus, das im Durchschnitt jeder Bundesbürger nach zwei Wochen seine archivierten Kulturbestände durchsichtet hat. Romansammler brauchen länger. Nur noch Wiederholung,Wiederholung, Wiederholung. Das Internet wird mit DADAviren bombardiert. Nichts geht mehr, nur noch Sport und Bilderlose Tageszeitungen ohne Feuilleton, und da steht auch nur alles über unseren:

 

Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik – Streik - Streik – Streik -

 

Das Streikkomitee berät, wenn der Trust Jahrmillionen alte Gene zu seinem Eigentum erklärt und das auch noch akzeptiert wird von gewaltigen Staaten, dann können wir auch nach Ägypten fahren und die Pyramiden zuhängen, Christo hat zugesagt und auf der Folie steht:

 

Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik – Streik - Streik – Streik -

 

für Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum. Für Freigabe der Städte und Landschaften zur Gestaltung. Der Erweiterte Kunstbegriff befreit den vernormten, eingepressten, das getriebene Rädchen Mensch. Auf das jeder wird ein Künstler. Künstler durch Eigenformung, im neuen Arbeitsbegriff als Arbeit – Spiel – und Müßiggang zusammengefasst. Lohnpartizipation an den Maschinenleistungen der Menschheit. Mensch sein: Autonom, Selbstbestimmt im eigenen Denken, im eigenen Handeln, im eigenen Sein. In dieser sich demokratisierenden Demokratie mit offenen Grenzen zur Anarchie. Keine Macht für Niemand über Jemand und Frauen sind immer mit gemeint. Kein Mensch ist prinzipiell ausgeschlossen. Und darum:

 

Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik - Streik – Streik – Streik – Streik - Streik – Streik -

 

Rainer Wieczorek, Neubearbeitung am Morgen des 28.9.2011